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Buchrezension

[Rezension] Die Sache mit dem Glücklichsein – Jason Reynolds

Titel: Die Sache mit dem Glücklichsein
Autor: Jason Reynolds
Seitenzahl: 288
Verlag: dtv
Originaltitel: The Boy in the Black Suit
Übersetzer: Klaus Fritz

Vielen Dank an den dtv für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

 

Matt glaubt, das Leben könnte aktuell nicht noch ungerechter sein. Die Trauer sitzt noch tief in seinem Herzen, als er erkennt, dass er zur Unterstützung seines Vaters einen Nebenjob benötigt. Als er durch einen Freund in einem Bestattungsinstitut mit der Arbeit beginnt, glaubt er nicht, dass er dort wieder einen Grund findet, um das Glück im Leben zu erkennen.

 

Matt ist jemand besonders, und das nicht, weil er seine Mutter verloren hat, deshalb wird er bereits in der Schule ausreichend mit Mitleid berieselt, sondern weil er durch seine Erfahrungen und seinen Verstand einfach aus der Menge hervorsticht. Seine Noten sind so gut, dass er in seinem letzten Jahr weniger Kurse belegen muss. Statt daheim rumzugammeln sucht er sich einen Job und auch, wenn er nicht aus dem besten Viertel stammt, will er sich seine Zukunft offen halten. Dennoch merkt man, dass das Dunkle in ihm vorherrscht und er diese niederkämpfen muss, um wieder leben zu können, doch gelingt ihm das alleine nicht. Erschwert wird dies durch den Zustand seines Vaters, der seit dem Verlust seiner Ehefrau der alten Trinksucht wieder erlegen ist. Matt hat also jede Menge Dämonen, gegen die er ankämpfen muss. Ich mochte es, dass er all das aufnimmt, verarbeitet und sich stellt, aber ohne dabei sich selbst zu verlieren. Er lässt die Trauer zu, lässt sich von ihr tragen und sucht einen Weg damit zurecht zu kommen.

 

Love ist da ganz anders, sie scheint das blühende Leben zu sein. Immer freundlich, höflich und hilfsbereit, trifft sie Matt auf der Beerdigung ihrer Großmutter. Und entgegen von Matts Erwartung bleibt Love gefasst und spricht immerzu positiv und beherzt von ihrer Großmutter. Love war mir einfach sofort sympathisch, man muss sie mögen, und ähnlich wie Matt ist man davon fasziniert wie positiv sie das Leben nimmt, obwohl es in ihrem Leben immer wieder schwierige Hürden und Rückschläge gibt. Da Matt unser Ich-Erzähler ist, erfahren wir natürlich nicht sofort, wie es um Loves Gefühle steht, dennoch spürt man die Anziehung zwischen den beiden, und Matts Faszination ist in jeder Zeile zu spüren. Dennoch geht es in diesem Roman nicht um die Liebe zwischen den beiden, sondern um Trauer und wie man mit ihr umgeht. Und ich finde beide wirken dabei so authentisch und vorbildhaft auf ihre ganze eigene Art. Egal ob die Stärke von Love oder die Verletztheit von Matt, beides ist normal im Trauerprozess und wird hier in tollen Worten von Jason Reynolds eingefangen. Auch wenn ich am Anfang etwas Startschwierigkeiten hatte, da Love später auftaucht als gedacht, und ich damit durch den Klappentext etwas verwirrt ist, ändert dies nichts an dem tollen Schreibstil und der wirklich guten Geschichte.

 

Fazit:

„Die Sache mit dem Glücklichsein“ vermittelt eine wichtige Message: Trauer ist Teil des Lebens und wir müssen uns ihr stellen, und zwar jeder auf seine Weise. Dabei zeigt Jason Reynolds wie unterschiedlich dieses Gefühl von Jugendlichen verarbeitet wird, ohne dabei wertend zu sein. Love und Matt sind tolle Protagonisten und sorgen nicht nur für Tränen, sondern auch für den ein oder anderen Lacher.

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1 Comment

  • Reply Tina

    Hallöchen Sandra,

    schön, dass der Autor sich nicht nur auf eine Sicht der Trauer beschränkt. Jeder lebt seine Gefühle anders aus und das ist gut so. Umso besser, wenn einem Worte darauf aufmerksam machen und das vor Augen führen.

    Liebe Grüße
    Tina

    August 25, 2020 at 7:30 pm
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