Buchrezension

[Rezension] Die Tribute von Panem X – Suzanne Collins

Januar 22, 2021

Titel: Die Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange
Autorin: Suzanne Collins
Seitenzahl: 608
Verlag: Oetinger Verlag
Übersetzer: Peter Klöss, Sylke Hachmeister



Coriolanus Snow ist 18 Jahre alt und wurde dazu benannt ein Mentor für eine der Tribute der zehnten Hungerspiele zu werden. Dabei geht es für Coriolanus um mehr als nur den Ruhm, dass das eigene Tribut gewinnt, er braucht dringend einen guten Stand in der Gesellschaft, denn seiner Familie geht es nach dem Krieg nicht wirklich gut und es droht der Absturz. Doch dann wird Coriolanus Snow ausgerechnet der weibliche Tribut aus Distrikt 12 zugewiesen und er glaubt in dem Moment bereits verloren zu haben. Doch kann sich das Blatt noch wenden?

 

Das Prequel wird ausschließlich aus der Sicht von Snow erzählt. Dadurch ist es relativ schnell passiert, dass man Snow, trotz all der Dinge die er in den späteren Büchern tut, als sympathisch wahrzunehmen. Durch den Fall seiner Familie nach dem Krieg, welchen er zusammen mit seiner Cousine Tigris versucht zu verschleiern, geht es den Snows nicht gut. Doch statt Schadenfreude zu empfinden, ging es mir eher ans Herz zu lesen, wie sehr sie probieren aus dem Nichts Essen zu zaubern und es ihrer Großmutter so recht wie möglich zu machen. Es erscheint fast schon seltsam, dass ein so grausamer Diktator wie Snow, denn das wird er später nun mal, aus solchen Verhältnissen stammt und diese Erinnerungen offenbar gelöscht hat. Uns als Leser werden sie nun erzählt und ich habe fasziniert alles verfolgt, denn als sein Tribut in seinem Leben tritt, wird dieses ordentlich durchgewieselt.

 

Bei dem weiblichen Tribut aus Distrikt 12 handelt es sich um Lucy Gray Bird und diese Frau hat mich von der ersten Seite an fasziniert. Sie ist interessant, aber auch geheimnisvoll als Charakter. Schon bei der Ziehung der Tribute in Distrikt 12 fällt sie durch einen Streich und ihr Lied auf. Und genau dieser Auftritt zu Beginn zeigt alles eindrucksvoll, wie Lucy Gray später immer wieder dem Leser präsentiert wird, mit ihrer bunten schillernde Persönlichkeit und ihrem absoluten Willen nicht aufzugeben. Damit entspricht sie nicht dem typischen „schwachen“ Tribut aus Distrikt 12, sondern ist viel mehr das Messer im Rücken der „starken“ Tribute, die nicht damit rechnen, dass hinter Lucy Grays Maske mehr steckt als nur das arme Mädchen. Und auch Snow erliegt letztendlich der Figur Lucy Gray und ohne viele Spoiler zu nennen, ja die beiden führen eine Beziehung, aber nicht so wie man es sich eigentlich ausmalt. Vielleicht weil beide zu jung sind um zuwiesen, was auf dem Spiel steht und wie Liebe und Freundschaft aussehen können. Dennoch ist die Spannung zwischen den Beiden in jeder Zeile zu spüren und der Romantiker in mir, hat sich hier viel gewünscht.

 

Das Buch ist in drei große Abschnitte geteilt, welche sich auf ein jeweiliges Thema begrenzen lässt. Während es im ersten Abschnitt noch um den Weg zu den Spielen geht, dreht sich der zweite um die Spiele selber und der dritte Abschnitt beschreibt die Zeit nach den Spielen. Während der Leser im ersten Teil noch alle Figuren und deren Facetten kennenlernt, und hier gibt es jede Menge Charakter zu entdecken, denn Suzanne Collins hat nicht an Figuren gespart, hat mich der zweite Abschnitt besonders fasziniert. Denn im Gegensatz zu den 74. Hungerspielen aus dem allerersten Band, sind diese Spiele roher und brutaler. Es gibt nicht wirklich viele technische Besonderheiten oder Vorrichtungen, die Spannung beim Zuschauer aufbauen könnten. Viel mehr sind wir in einer alten Arena und beobachten einen tagelang andauernd brutalen Kampf von 24 Kindern, die nur überleben wollen. Doch was mich wirklich fertig gemacht hat, war das Ende vom zweiten Teil, niemals hätte ich das gedacht, auch wenn mir klar war, dass es noch zu etwas zu erzählen gibt nach den Spielen.

 

Das i-Tüpfelchen an dem ganzen Buch ist meines Erachtens der Schreibstil, denn er schafft es den Leser ans Buch zu fesseln und die knapp 600 Seiten sogar kurzweilig wirken zu lassen, so zumindest war mein Leseeindruck. Auch wenn ich anfangs wirklich skeptisch war, ob mich Suzanne Collins nochmal so überraschen könnte wie mit der ersten Trilogie, so hat sie mit „Die Tribute von Panem X“ eindeutig bewiesen, dass sie es immer noch mehr aus der Welt von Panem zu erzählen hat. Und damit äußere ich jetzt mal den Wunsch, dass ich gern mehr davon hätte, und hoffe, dass auch die nächsten Hungerspiele ihr Weg in die Literatur schaffen.

 

 

 

Fazit:

Diese Geschichte, die davon erzählt, wie Snow zu dem Snow werden konnte, welchen wir kennen, hat mich absolut in seinen Bann gezogen. Niemals hätte ich gedacht, dass ich die Figur des Coriolanus Snow sympathisch finden könnten oder gar die Beziehung zwischen ihm und Lucy Gray so einen Bann auf mich haben würde. Ich hoffe sehr, dass es noch mehr Bücher aus dem Panem-Universum geben wird, denn entgegen meiner Erwartung, dass die 600 Seiten viel zu viel sind, hat sich das Buch sehr schnell und spannend lesen lassen. Suzanne Collins hat es also erneut geschafft! Und nun denkt immer daran: Snow landet immer oben!

 

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