Buchrezension

[Rezension] The Summer of Lost Letters – Hannah Reynolds

Juli 2, 2022

Titel: The Summer of Lost Letters
Autorin: Hannah Reynolds
Seitenzahl: 464
Verlag: Carlsen
Originaltitel: The summer of lost letters
Übersetzerin: Fabienne Pfeiffer

 

Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

 

Abby ist zu Beginn der Sommerferien etwas verloren, denn ihr Freund hat mit ihr Schluss gemacht und ihre Freundinnen haben bereits andere Pläne und sind schon auf Reisen. Doch dann stößt Abby unverhofft auf einen Stapel Briefe, welche an ihre eben verstorbene Großmutter gerichtet sind. Kurzum will sie diesen Briefen voll lieblicher Worte auf den Grund gehen und begibt sich auf die Insel Nantucket, um die Vergangenheit ihrer Familie aufzudecken. Doch sehr schnell findet sie dabei nicht nur Familiengeheimnisse, sondern Freunde und den charmanten Noah.

 

Direkt vorweg muss ich sagen, dass ich niemals damit gerechnet hätte, dass dieses Buch an manchen Stellen so tiefgründig werden würde. Der Klappentext suggeriert den Leser*innen, dass es sich hierbei um eine lockere, leichte Sommergeschichte handelt, bei der eine junge Frau auf der Suche nach dem ehemaligen Liebhaber ihrer Großmutter selbst die Liebe entdeckt, aber es ist einfach so viel mehr.

 

Zunächst einmal startet es allerdings genau damit, Abby entdeckt kurz nach dem Tod ihrer Großmutter, dass im Nachlass sehr alte Liebebriefe zu finden sind. Ihre Mutter kann sich nicht erklären, wieso ihre Mutter diese aufgehoben haben sollte und wer der Schreiber dieser mysteriösen Briefe ist. Also entschließt sich Abby kurzerhand nach Nantucket zu fahren und dort den Sommer zu verbringen, um den Briefeschreibe ausfindig zu machen und kennenzulernen. Erst Stück für Stück erfahren wir mehr zur Hintergrundgeschichte der Großmutter und diese ist erschütternd. Sie wurde als Kleinkind von ihren jüdischen Eltern aus Angst nach Amerika geschickt, denn die Sicherheit in Deutschland war für Juden Ende der 1930er Jahre nicht mehr gegeben. Abby entdeckt nun immer wieder neue Puzzleteile aus der Vergangenheit ihrer Großmutter, die ein viel größeres und klareres Bild ergeben als zuvor gedacht. Kann Abby endlich herausfinden, wo ihre Wurzeln liegen?

 

Dennoch weicht das Buch natürlich nicht all zu sehr vom Plot ab und auch die Themen Liebe und Freundschaft kommen nicht zu kurz. Denn natürlich begegnet Abby an einem ihrer ersten Abende Noah, der zufälligerweise der Enkel des Briefeschreibers ist und außerdem auch ganz schön ungehobelt auf Abby wirkt. Zum Glück entwickelt sich all das anders als am Anfang von den Protagonist*innen gedacht. Was mich positiv überrascht hat, war die Tatsache, dass nicht nur der Fokus auf das Thema „Die erste große Liebe“ lag, sondern auch darauf, wie Abby mit neu gewonnen Freunden umgeht und sich dabei selber noch entwickeln kann. Sie erhält damit die Möglichkeit in ihrem Sommer auf Nantucket erwachsener zu werden und bei vielen Dingen mehr Klarheit zu erhalten. Für mich persönlich greift die Geschichte damit einen guten Plot für Coming-of-Age auf.

 

Letztendlich war es für mich vor allem die Mischung aus geschichtlicher Storyline und den Aspekten des Coming-of-Age, was dieses Buch so besonders gemacht haben. Man hätte sich als Autorin bewusst nur auf eines davon konzentrieren können, stattdessen wurden in „The Summer of Lost Letters“ beides aufgegriffen und wirklich gut miteinander verbunden, so dass am Schluss kein Erzählungsfaden verloren geht oder ein unlogisches Ende nimmt. Und zum Schluss muss ich noch gestehen, dass das Cover für mich ein kleines Highlight war. Die warmen Farben des Sonnenuntergangs mit der geschwungenen Schrift eines Briefes wirkten geheimnisvoll, ruhig und einladend zugleich.

 

 

 

Fazit:

„The Summer of Lost Letters“ sollte viel mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die Geschichte wächst weit über ihren Klappentext hinaus und bietet verschiedene Facetten des Erzählens. Wir erleben eine bewegte Vergangenheit eines jüdischen Kleinkindes auf der Flucht, außerdem den Sommer von Abby, welche erwachsen werden will und sich zwar ihrer Familiengeschichte nähert, aber auch von den Eltern lösen kann. Und ganz nebenbei gibt es noch eine ruhige, langsame Liebesgeschichte zu entdecken.

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