Buchrezension

[Rezension] Hen na E: Seltsame Bilder – Uketsu

April 2, 2025

 

Titel: Hen na E – Seltsame Bilder
Autor: Uketsu
Seitenanzahl: 272
Verlag: Lübbe
Übersetzerin: Heike Patzschke


Vielen Dank an die Lesejury, für das Zusenden des Leseexemplares!



Zwei junge Männer stoßen auf einen Blog mit Zeichnungen. Nichts daran wirkt zunächst verdächtig, doch je mehr man sich mit den hochgeladenen Bildern und den Texten dazu beschäftigt, umso deutlich wird, dass sich dahinter mehr versteckt als der Text eines anonymen Schreibers. Doch wie hängen die Bilder zusammen? Welche Sogkraft haben sie und wieso musste jemand deshalb sterben? Was können uns Bilder verraten?

 

Bereits als ich die Leseprobe von „Hen na E – Seltsame Bilder“ gelesen hatte, war mir klar, dass dieses Buch etwas Besonderes werden würde. In der Außengestaltung macht das Buch bereits wirklich etwas her. Der schwarze Buchschnitte untermalt das schlichte, aber dennoch faszinierende Cover des Buchs. Die Innengestaltung stellt dann nochmal eine Steigerung dazu dar. In einem Mix aus Bildern, Schriftzeichen und Text wird der Lesende dazu animiert sich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen und selbst zu versuchen, die Rätsel zu lösen. Doch die Gefahr ist groß, sich in den Bildern zu verlieren. Das gesamte Format dieser Art des Erzählens wird als Sketch-Mystery-Roman bezeichnet und macht deutlich, dass wir es hier nicht mit einem üblichen Krimiroman zu tun haben.

 

Es fällt mir tatsächlich schwer, eine Rezension zu schreiben, ohne dabei einen Spoiler zu hinterlassen. Dennoch möchte ich euch einen passenden Eindruck hinterlassen, denn dieser Krimiroman war so anders als alles, was ich bisher gelesen habe. Man steigt relativ entspannt in die Geschichte ein: zwei junge Studenten entdecken einen Blog mit Einträgen und Bildern. Der eine Student erzählt dem anderen Studenten davon und dieser ist auf unerklärliche Weise davon fasziniert. Sowohl der junge Mann als auch wir als Lesenden können uns dem nicht entziehen und lesen begeistert die Einträge des scheinbar anonymen Schreibers. Berichtet wird von einer jungen Liebe und ihrem Glück, welches letztendlich in der bevorstehenden Geburt des ersten Kindes vollendet werden soll. Doch sehr abrupt endet der Blog an dieser Stelle, erst mit einem Eintrag viel später erfahren wir von einem Unglück. Und hier zeigt sich bereits einer der Merkmale dieses Romans: es wird durchgängig mit unseren Gefühlen gespielt.

 

Fast im Stil einer Mini-Serie wechseln wir die Szene und starten mit einer anderen Lebensgeschichte. Es scheint, als ob vollkommen willkürlich Geschichten ausgewählt wurden, die sich dadurch auszeichnen, dass ihre Unheimlichkeit durch das Betrachten von Fotos oder Bildern entsteht. Doch je länger man der Geschichte folgt und versucht die Fäden und Gedanken festzuhalten, um so deutlich wird der Blick auf das große Ganze. Dabei spielt der Schreibende erneut mit unseren Gefühlen, und lässt uns tief in die dunklen Abgründe der Seelen eintauchen. Dabei wirkt die Brutalität, die aufkommt fast schon übertrieben, im Vergleich zu dem scheinbar einfachen und öden Leben der Protagonisten. Ich mochte diesen Wechsel der Gefühlslage, das Auf und Ab sehr. Auch das dem Lesenden viel selber überlassen wird, sich Dinge vorzustellen und mit einfachen Worten ein Bild im Kopf erzeugt wird, dessen Schattierungen und Intensität jeder für sich selber bestimmen kann.

 

Dies bringt mich ebenfalls zu einem großen Pluspunkt dieser Geschichte: Der Schreibstil und dessen Übersetzung. Durch die bewusste – ich unterstelle einfach, dass sie bewusst gewählt ist – Distanz zum Geschehen und dem Lesenden, in dem Gefühlsregungen und tiefgreifende Monologe nur bedingt Teil der Geschichte sind, hat man mehr das Gefühl, einen ausschweifenden Aufsatz zu lesen. Dessen Aufgabe ist es, uns die Geschehnisse „einfach“ nur mitzuteilen. Doch durch die Lücken im Text, durch das Auslassen von vorgelegten Worten in den Mund der Erzählenden, bleibt es spannend. Ich war absolut fasziniert von dieser Form des Erzählens und hoffe sehr, dass wir weitere Werke von Uketsu lesen können. Das er durch diese Erzählweise es schlussendlich sogar schafft, trotz der Brutalität und der offenkundigen psychischen Probleme, ein Gefühl des Mitleids für die Täter zu erzeugen ist erstaunlich und spricht in jedem Fall dafür, wie vielfältig hier mit den Emotionen gespielt wird.

 

 

Fazit:

Für mich war „Hen na E – Seltsame Bilder“ der erste Sketch-Mystery-Roman und ich bin fasziniert von dieser Art des Erzählens. Man fühlt sich wie im Sog, was an dem Mix aus der enormen Vielfalt an Gefühlen zwischen den Zielen und im Kopf des Lesenden und der totalen Sachlichkeit des Erzählens liegt. Es fällt schwer, das Buch wegzulegen und gedanklich nicht mitzurätseln zu wollen, um letztendlich das riesige Gesamtbild dieser Geschichte zu verstehen. Bevor man jedoch in diese Geschichte startet, ist es wichtig, dass man sich darauf einlässt. Die Kombination aus Bild und Schrift, mit der Form des Erzählens und der Tatsache, dass hier nicht in der klassischen westlichen Art eines Krimis ermittelt wird – es fehlt allein der typische Ermittler – ist etwas besonders. Doch sobald man einmal die Faszination entdeckt hat, fällt es schwer das Buch zur Seite zu legen.

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